Skurrile Flüge

In der heutigen Zeit werden sowohl im internationalen wie im nationalen Flugverkehr überwiegend Flugzeuge der neuesten Generation eingesetzt. Dem war aber nicht immer so. In diesem Artikel möchte ich über drei meiner Flugreisen berichten, die jede für sich auf ihre Art skurril waren.

Im Jahre 1986 flog ich mit einer Freundin zu einer Urlaubsreise nach Taschkent. Taschkent ist die Haupstadt Usbekistans, welches damals noch zur Sowjetunion gehörte. Wir flogen mit einer Il 62 der Interflug. Eine Il 62 war erst einige Monate zuvor über dem Flughafen Schönefeld abgestürzt und viele Passagiere mit in den Tod gerissen. Ich fühlte mich einigermaßen unwohl, doch der Flug verlief glatt. Zur Reise gehörtete auch ein Flug von Tschimkent nach Moskau, der von der Aeroflot durchgeführt wurde. Das Flugzeug war eine Tupolew 134, ganz ok so weit. Aber die Passagiere machten mir Spaß, besser gesagt ihr Gepäck. Sie führten diverse Güter mit, die eindeutig der Landwirtschaft entsprangen. Netze voller Granatäpfel waren da noch das Normalste, zwei Käfigen mit Gänsen waren da doch etwas ungewöhnlich. Alles wurde in den offenen Gepäckablagen oder unter den Sitzen verstaut. Ich kam mir vor wie auf einem Wochenmarkt.

Ein anderer Flug führte mich von der Hauptstadt Ghanas, Accra, in die im Norden des Landes gelegene Stadt Tamale. Immerhin 600 km und die wollte ich nicht unbedingt über Land bewältigen. Es gab eine Flugverbindung, die allerdings von der Armee betrieben wurde, die „Airlink“. Es gelang mir, ein Ticket zu ergattern, das mich schlappe 50 DM kostete. Und schon saß ich in einem Militärflugzeug über der afrikanischen Savannen. Die Piloten waren auch Armeeangehörige und trugen Uniform. An das Flugzeug kann ich mich nicht mehr erinnern, es war aber eine zweimotorige Propellermaschine.

1997 flog ich mit Barkanair von Berlin-Schönefeld nach Accra mit Zwischenstop in Sofia. Als wir in Sofia den Anschlussflu nahmen, traf uns wohl allen der Schlag. Da stand doch tatsächlich eine Iljuschin Il 18 mit Turbo-Prop Antrieb. Einen Inlandsflug mit einer Propellermaschine zu absolvieren, mag noch angehen, aber fast 6000 km in so einer betagten Maschine ließen einen langen Flug erwarten. Die Maschine konnte eine maximale Reisegeschwindigkeit von etwa 600 km/h erreichen und so dauerte der Flug dann auch um die 10 Stunden. Der Geräuschpegel war gewöhnungsbedürftig. Aber die Stimmung an Bord war super. Denn erstens war noch keiner der Passagiere mit so einem Dino geflogen und zweitens tat die Crew alles, um uns für die Unbill des unerwarteten Flugvergnügens zu entschädigen. So verköstigten wir alle an Bord befindlichen bulgarischen Weinsorten und Nachschub war sofort da, sobald man nur den Finger hob. Der Flug verging wie im Fluge (haha, unvermuteter Kalauer). Währen der Landung durfte ich mich sogar in die offene Tür zum Cockpit stellen und beim Landeanflug zusehen – heutzutage völlig undenkbar, damals allerdings sehr interessant.

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